Meine Chefin fragte mich, ob ich die Kapazitäten zur Teilnahme an einer Weiterbildung hätte. Hatte ich. Sie war sehr begeistert, dass es noch möglich war, mich anzumelden. Und dann passierte erstmal nichts. Keine Anmeldebestätigung. Keine weiteren Informationen. Ich nehme schon mal etwas die Spannung heraus: Die Fortbildung war wirklich cool, herausfordernd und ich habe für mich sowie meinen Job einiges mitgenommen. Anstatt eines viel zu großen ABERs würde ich hier mit mehr oder weniger Struktur ein paar Gedanken und Learnings teilen. In welchem Rahmen und bei wer genau Dozent:in war, würde ich auslassen. Weil die öffentliche Rückschau nicht abgesprochen ist und ich so das Gefühl habe, freier reflektieren zu können.

Also war ich zu dieser Fortbildung angemeldet und hörte… Nichts. Ich fragte bei meiner Chefin nach, die verwies mich auf die Workshop-Organisierenden und die aktuelle Urlaubslage. Es war Sommer und ein ziemliches Hin und Her. Warten und Herumfragen bis ich herausgefunden hatte, wann und wo die Fortbildung denn nun stattfinden würde.

Learning Nr 1: Eine Anmeldebestätigung mit Datum, Uhrzeit und Ort der Veranstaltung, ggf. weiteren Informationen hätte mir wirklich geholfen. Teilnehmenden brauchen ein Minimum an Informationen, um sich gedanklich auf das Kommende vorzubereiten. Was mir geholfen hätte: zu erfahren, dass meine Anmeldung erfolgreich war und an wen ich mich wenden können, sollte es noch Fragen geben. Denn ich hatte Fragen, nach zwei Jahren Pandemie ist es für mich eher selbstverständlich, dass Weiterbildungen online stattfinden, als vor Ort. Für beide Optionen braucht es eine gewisse Vorbereitung, Konferenztool installieren, Headset suchen oder die Anfahrt checken…

Nach meinem Eiertanz und dem Versuch an Informationen zu kommen, hatte ich ehrlich gesagt, nicht mehr wirklich Bock auf die Fortbildung. Es fiel mir schwer, mich am Anfang auf die Inhalte einzulassen. Und irgendwie konnte ich nicht mal darüber lachen, dass der Dozent selbst eine halbe Stunde zu spät kam, da er auch nicht ausreichend informiert wurde, wo die Weiterbildung stattfindet…

Der Seminarraum war vorbereitet. Am Eingang standen Kaffee, Tee, Wasser, es gab Snacks und eine teilnehmende Person hatte sogar extra einen Kuchen gebacken und mitgebracht. Dadurch fühlte ich mich willkommener als zuvor.

Learning Nr. 2: Es muss nicht das große Buffet sein, aber ein liebevoll hergerichteter Snacktisch oder Seminarraum drückt Wertschätzung gegenüber den Teilnehmenden aus. Wertschätzung lässt sich auch durch gerade gerückte Tische oder einen frisch gelüfteten Seminarraum ausdrücken.

Das Seminar an sich? Es gab einen geheimen Plan, also der Dozent hatte einen, sagte er,  als Teilnehmende wirkte alles sehr wild auf mich. Es fiel mir schwer, das “große Ganze” zu erfassen. Vielleicht lag es noch an dem anfänglichen Chaos, dass es mir schwer fiel zu folgen. Der Dozent sprang scheinbar von einem zum nächsten. Eine Konsistenz zwischen den Anekdoten und Impulsen konnte ich nicht finden. Eine Teilnehmerin sprach die Situation an und der Dozent klärte auf: “Am Ende versteht ihr es, auch wenn es jetzt gerade chaotisch auf euch wirkt.”

Learning Nr 3: Für Teilnehmende kann es hilfreich sein, wenn es einen Plan gibt. Als Dozent oder Dozentin müsst ihr nicht gleich sämtliche didaktischen Kniffe, Tricks und Theorien preisgeben. Ein grober Fahrplan hätte vielleicht gereicht, um deutlich zu machen: „Ich weiß was ich tue, es gibt einen Plan!”. Der zeitliche Ablauf, welche Themenblöcke aufeinander folgen, vielleicht auch nur die Übersicht, wann ein Impuls kommt oder ich aktiv mitwirken kann/sollte, reicht da manchmal schon.

Irgendwann kam das Seminar in seinen Fluss und die Inhalte boten einigen Raum für Diskussionen und Austausch. Und dann passierte leider etwas, dass mich ziemlich grummelig werden ließ. Ein Teilnehmender sagte, er habe auch Karl May gelesen und sei deswegen kein Rassist. Dann benutzte er das I-Wort, als aufgeklärte, woke Menschen, wissen wir natürlich, dass es um die indigene Bevölkerung Amerikas geht, und ich sah das wirklich anders. Der Dozent erkannte das Potential dieser Randnotiz und machte deutlich “Reden wir nicht weiter darüber!“ Hat nämlich nichts mit den Inhalten des Seminars zu tun!”. Es war ein Randkommentar, doch es beschäftigte mich so sehr, dass ich den Inhalten nicht weiterfolgen konnte. Ich hätte wirklich gerne kurz gesagt, dass ich es anders sehe.

Learning Nr 4: Manche Dinge können in einem Seminar nicht vertieft oder aufgegriffen werden, da sie zu weit vom eigentlichen Thema wegtragen würden. Und manchen Themen sollte bitte Raum gegeben werden, egal in welchem Kontext. Themen wie Rassismus, Sexismus, Ableismus oder Homophobie sollten diskutiert werden. Es sollte den Raum geben, in dem wir unterschiedliche Meinungen aushalten. Allem voran sollten wir uns bemühen, besonders  Kursleitende, einen geschützten Raum für Teilnehmende zu schaffen. 

Insgesamt habe ich inhaltlich viel mitgenommen und mein persönliche kleine Erkenntnis ist: egal wie aktivierend und offen so ein Stuhlkreis vom pädagogischen Konzept her sein soll… I don´t like them. Ich hätte gerne einen Tisch vor mir, auf den ich meine Wasserflasche stellen kann, damit ich daran denke, genug zu trinken und meine Stifte auszubreiten.

 

Foto von Debby Hudson on Unsplash und zeichnerische Ergänzungen von mir.