Wissend is the new sexy.

Autor: Tanja Wehr

Aus Tanja Sudelbuch – Die Magie des geschriebenen Wortes

Als ich klein war – vielmehr jung, klein bin ich ja immer noch – ungefähr in dem Alter, wo man gerade so schreiben konnte, waren meine liebsten Beschäftigungen basteln, malen, zeichnen und wehe, wenn man mich in die Nähe des Flüssigklebers gelassen hat. Während ich also meine aufwendigen Collagen erstellte oder Ziehharmoniker-Dackel gebastelt hab, liefen in Dauerbeschallung Märchenkassetten. Ich hatte etliche Märchen, die für mich wahnsinnig aufregend waren. Allerleirauh zum Beispiel oder Kalif Storch war so eines. Und jedesmal, wenn die Stelle kam, an der das Wort für die Verwandlung benötigt wurde, aber nicht mehr gewusst wurde, habe ich sooo sehr mitgelitten. Aber ich hatte Abhilfe geschaffen. Auf dem Boden der Schublade meines Kinderzimmer-Nachtischchens stand in kritzeligen Filzstiftbuchstaben Mutabor. Handgeschriebenes merkt man sich offenbar besser 🙂 Und weil das offensichtlich half, stand in ebenfalls wackelig geschriebenen Worten auf meine Black-Beauty-Tapete, mit einem Oxer über den der schwarze Hengst gerade sprang als Hilfslinie „Lauf Bambi lauf der Jeger will dich holen.“ Umlaute konnte ich da wohl noch nicht. Offensichtlich ging es mir dann besser. Die Magie des Schreibens eben. Kennst du sowas auch?

Matrix – eine Love-Story in 6 Akten

Wenn ich das Wort Matrix höre, ist meine allererste Assoziation, also die, bevor das Gehirn startet, der Film. Teil 1 mit Keanu Reeves in diesem Outfit, mit dieser Brille und Lawrence Fishburne als Morpheus, der Gott des Schlafes, Bruder des Todes. Aber ich schweife ab. Wenn dann also mein Hirn auf Betriebstemperatur gekommen ist, fallen mir unzählige Methoden ein, die mit Hilfe einer Matrix versuchen, etwas besser zu durchdringen, weil es vorher undefiniert war, danach in eine Kategorie gehört und damit nicht mehr im leeren Raum des Unkonkreten herumdümpelt, sondern dank einer Verortung nun abgearbeitet ist. So frei nach dem Motto: Schublade auf, rein, Schublade zu und aus den Augen aus dem Sinn. Doch da frage ich mich: Ist das wirklich so? Ist mit dem Ablegen an einer bestimmten Stelle im Koordinaten-System der Matrix, der Drops gelutscht? Ich habe mir mal ein paar der Matrixen vorgenommen, die ich schon sehr einleuchtend finde. Und möchte auch eine zeigen, die ich gebaut habe, um relevantes Wissen sichtbar zu machen.

Auf der Jagd nach dem perfekten System – Zettelkasten, Post-it, Karteikarten, Pinnwand

In den letzten beiden Wochen ging es ja viel um Zettelkästen und Ordnungssysteme – analog wie digital – wo wir unser Wissen sammeln, vernetzen und wiederfinden, ergänzen, erneut entdecken und bei Bedarf auch wieder heraus nehmen können. Was mich dazu gebracht mir mal wieder die Frage zu stellen: Bin ich mit meiner Methode zufrieden oder könnte ich da was ändern?

Hier die Antwort. Im Laufe vieler Jahre des Umgangs mit unterschiedlichstem Wissen, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es für mich nicht das EINE SYSTEM gibt, sondern, dass ich je nach Bedarf unterschiedliche Werkzeuge nutze. Das ist eine Entwicklung, die bereits zu Schulzeiten angefangen hat und inzwischen zumindest für den Moment abgeschlossen scheint. Also wie sieht das konkret aus?

Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information.

Albert Einstein

Aus Tanjas Sudelbuch #1 Der Ärger mit dem neuen Nichtneuen.

Manchmal bekomme ich einen echten Rappel. Dann ist mein Hunger nach neuem Wissen oder einer Vertiefung irgendwelcher Fertigkeiten so groß, dass ich wie ein Tiger im Käfig umherstreife und mich auf nichts mehr konzentrieren kann.

Ich will was neues lernen, besser werden, gegen die Langeweile angehen, die sich breit macht und die mich wahnsinnig macht. Dann blättere ich virtuelle Angebote zu Fernstudiengängen durch, schaue mir die buchbaren Workshops an oder schaue stundenlang Buchempfehlungen durch. Immer auf der Suche nach dem neuen Etwas, was mich aus dem Sumpf der Langeweile holt bzw. mir Zerstreuung mit dem guten Gefühl der persönlichen Weiterentwicklung bietet.

Dummerweise reicht es manchmal auch einfach ein cooles vielversprechendes Buch zu bestellen. Das wandert dann auf den berühmten Tsundoku-Berg, der sich bei mir echt sehen lassen kann. Und da bleibt es dann, bis zum nächsten Rappel, würde man meinen. Aber weit gefehlt: Leider ist das Buch, wenn ich es einmal habe, auch ungelesen, ja nicht mehr neu und hilft nicht, beim nächsten Anflug von Neuwissensjapp. Selbst dann nicht, wenn es mit einem kleinen unsichtbaren Winker auf sich aufmerksam macht, also mir wieder in die Hände fällt. Das ist wirklich ziemlich bekloppt von mir. Kennst du das?

Was verbirgt sich hinter Greymatters?

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Tanja Luise Marcus Kathe

Greymatters ist ein Blog den Luise, Marcus und Tanja ins Leben gerufen haben. Wir haben in Gesprächen und dem Austausch über die unterschiedlichsten Themen immer wieder festgestellt, dass es spannend ist zu hören, was die jeweils anderen zum gleichen Thema denken oder beobachten. Und das ist deshalb besonders spannend, weil wir drei uns sehr gut verstehen, aber aus sehr unterschiedlichen Hintergründen an die Sache ran gehen.

Der Zauber des Universaldilettantismus

Oder warum ich viel lese und Generalisten mag.

Dilettantismus ist im deutschen ein eher negativ konnotiertes Wort, dabei ist es doch eigentlich ein ganz wunderbares Ding. Bei Wikipedia steht dazu:

„Ein Dilettant ist ein Liebhaber einer Kunst oder Wissenschaft, der sich ohne schulmäßige Ausbildung und nicht berufsmäßig damit beschäftigt. Als Amateur oder Laie übt er eine Sache, um ihrer selbst willen aus, also aus Interesse, Vergnügen oder Leidenschaft und unterscheidet sich somit von einem Fachmann.“

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