Wissend is the new sexy.

Autor: Katherina Buettner

Höher, schneller, weiter – Von Ableismus im Sport und diverser Unternehmenskultur

Kurz vorab: Ableismus ist Diskriminierung bzw. Beurteilung von Menschen anhand ihrer Fähigkeiten. Behinderte, dünne, dicke, chronisch kranke, aber auch schwangere oder alte Menschen und viele andere erleben dies zum Beispiel im Sport, auf der Arbeit und überall sonst.

Wir sind eine sehr leistungsgetriebene Gesellschaft, und nirgends wird es sichtbarer als im Sport. Wer hat den schönsten Körper, wer kann am schnellsten Laufen, wer die meisten Wiederholungen oder das schwerste Gewicht stemmen? Es gibt solche toxischen Umgebungen, aber es gibt zum Glück viele Gegenbeispiele.

Ich unterrichte Selbstverteidigung und CrossFit in sehr, sehr heterogenen Gruppen: Junge Einsteiger, alte Hasen, Leute, die schon Jahre keinen Sport gemacht haben, nach einer Pause oder Verletzung wieder einsteigen, die, die an Wettkämpfen teilnehmen oder ein ehrgeiziges Ziel verfolgen. 16 und 72-Jährige trainieren zusammen, Männer und Frauen und alle dazwischen.

Wie geht das, dass jede teilnehmende Person stärker und schlauer* (und auch verschwitzter, ausgepowerter und glücklicher) nach Hause geht? Wie kann ich diese Stunde CrossFit oder diese Stunde Krav Maga für alle im Raum „die geilste Stunde deines Tages“ machen und dafür sorgen, dass jedes Individuum für sich persönlich am meisten mitnimmt und jede Leistung für sich steht?

Unser Hirn unter Quarantäne: Corona und Neuroplastizität

Neuroplastizität (genauer: Kortikale Plastizität) benennt die Eigenschaft unseres Gehirns, sich auf äußere und innere Ereignisse wie Lernen, Stress – aber auch Verletzungen anatomisch anzupassen.

So sind die Areale, die durch den Tastsinn aktiviert werden, auf der Hirnrinde von Blinden oder von Musizierenden vergrößert. Unsere Fähigkeiten und Erleben, aber auch zwanghafte Gedanken oder chronische Schmerzen bilden sich in der Struktur, Anordnung und Verknüpfung der Neuronen im Hirn ab.

Ganz aktuell bzw. andauernd ist unsere Erfahrung nach über einem Jahr Pandemie: Im März 2020 mussten wir alles digital denken, plötzlich nur ganz eingeschränkt Menschen und Orte sehen, und ganz neue Abläufe lernen… und einiges an neuen Synapsen ausbilden!

Und nun, 1 Jahr später? Das Energielevel vieler (einschließlich meiner) ist ziemlich am Boden, und es fällt immer schwerer, sich zu motivieren und auch zu fokussieren… ich wollte es erst nicht wahrhaben, aber …ist das Corona-Brain real?

Warum Kathe jetzt mitmischt

Als Zellbiologin wechselte ich in die Kommunikation, weil ich das Gefühl hatte dort mehr zu bewirken, als in der Forschung. Als PR-Beraterin stellte ich fest, dass selbstgezeichnete Bilder Botschaften besser transportieren als Wörter. Als Graphic Recorderin bin ich fasziniert und gefesselt vom neurologischen Zustand des FLOW. Als Krav Maga (Selbstverteidigungs-) Trainerin möchte ich jeden Menschen so schnell wie möglich befähigen, in den stressigsten Situationen zu überleben: Für den Umweg über das Hirn („wie ging die Technik nochmal?!“) ist keine Zeit, da muss man sich auf die im Training gelernten Bewegungen – das „Muscle Memory“ verlassen. Wie schaffe ich es, Menschen mit verschiedensten Lernvoraussetzungen das gleiche wirkungsvolle Training zu bieten? Wie gestalte ich mein Training und mein Wirken barrierefrei? Welche Rolle spielt der Spaßfaktor und die Comfort Zone beim Lernen? Sind das nicht auch Fragen, die uns genauso im Businesskontext begegnen (sollten)?

Und hier schließt sich der Kreis: Nutze ich nicht auch das Muskelgedächtnis beim Lettern und Graphic Recording? Ich habe so viele Fragen, und ich glaube Grey Matters ist die perfekte Platform zum Erforschen, Reflektieren und Austauschen!

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