Wissend is the new sexy.

The Procession of the Trojan Horse in Troy by Giovanni Domenico Tiepolo (cropped)

Unser Smartphone – ein Danaergeschenk?

Mittlerweile haben wirklich sehr viele (die allermeisten?) Menschen ein Smartphone. Aus technischer Sicht ist das Smartphone ein echtes Wunder der Technik. Selbst das billigste Gerät hat ein um Etliches mehr Rechenleistung als der Computer der Apollo-Mission auf dem Flug zum Mond und das auf kleinstem Raum.

Das Smartphone bietet uns viele komfortable Funktionen: Neben der Erreichbarkeit und der Vielzahl an Kommunikationskanälen haben wir – ein funktionierendes Netz vorausgesetzt – die Information aus dem Internet zur Hand. Verkehrs- und Wetterbericht, Straßenkarte, Wikipedia, Übersetzungsfunktion, YouTube, Audiostreams, Podcasts, Blogs. Auch die Corona-Tracker-App ist ein gutes Beispiel für eine nützliche Funktion. Doch ohne es zu merken zahlen wir dafür einen Preis.

Die Unternehmen hinter den Smartphones arbeiten mit dem gleichen Prinzip. Sie bieten uns verlockende Inhalte und komfortable Dienstleistungen, man muss nur zustimmen. Und fortan hinterlässt man eine Datenspur, die den Unternehmen und es allen, die bereit sind, für diese Daten zu bezahlen, ermöglicht ein Benutzerprofil zu erstellen über welches man auf zukünftiges Verhalten schließen kann. In der letzten Zeit geht es teilweise auch noch weiter, diese Daten können auch zur Manipulation genutzt werden.

Frank Schirrmacher hat schon 2014 gesagt:

“Also es ist alles in einem Satz gesagt, den hat niemand Geringerer als der Google-Chef, der frühere Chef von Google, gesagt: ‘Wir wissen, was du tun wirst’ und dann hat er noch hinzugefügt: ‘sogar ehe du es selbst weißt’.“
– Frank Schirrmacher

Die Ökonomin und Philosophin Shoshana Zuboff prägte als erstes den Begriff des Überwachungskapitalismus. Der Markt erklärt wieder etwas völlig Neues zum Handelsgut,

„persönliche menschliche Erlebnisse und Verhaltensweisen, die bisher in der Privatsphäre vor Marktmechanismen geschützt waren, (werden) zum ‚freien Rohmaterial‘ von Daten. Diese werden in Produkte umgewandelt werden, die auf neuen Märkten gehandelt werden können.”
hpd.de

Ein Beispiel dafür ist der Streit darüber, wem die wertvollen Daten gehören sollen, die in der näheren Zukunft alle mit einander vernetzten smarten oder autonomen Autos sammeln. An vorderster Front streiten dabei die Automobil-Konzerne mit den Versicherungs-Konzernen. Dass die Daten eventuell dem Autofahrer selbst gehören könnten wird dabei nicht einmal mitgedacht und ist geradezu entlarvend. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach schon vor einigen Jahren davon: Daten sind Rohstoffe des 21. Jahrhunderts – der Datenschutz dürfe allerdings nicht die Oberhand gewinnen – heise.de. Wer dabei letzten Endes der Nutznießer dieser Rohstoffe sein soll, kann man sich dabei leicht ausmalen.

Jetzt liegt es mir jedoch fern, einen digitalen Kulturpessimismus zu schüren. Einige Vorteile und Vorzüge des Smartphones habe ich schon anfangs genannt. Auch wenn sich ganz zu isolieren allenfalls dem digitalen Eremiten gelingen dürfte, gibt es kleine Dinge, die es ermöglichen, sich ein Bisschen aus der Umklammerung der Datensammler zu lösen.

Dazu möchte ich den alternativen (Android-)App-Katalog F-Droid vorstellen: Er bietet einen Katalog mit alternativen Apps, die frei, Open Source und datenschutzfreundlich sind und Google-Apps entweder ersetzen, oder Funktionen bieten, die man im Playstore vergeblich sucht. F-Droid findet man nicht im Playstore, sondern nur auf der Website von F-Droid. Wie man F-Droid installieren kann, wird hier bei mobilsicher.de beschrieben.

Im Geiste dieses Artikels möchte ich hier Blokada empfehlen, ein Werbeblocker, der akkuschonend, schnell, leistungsfähig und einfach zu nutzen ist.

Es ist ganz interessant, in diesem App-Store zu stöbern, er kommt sicher nicht ganz so bunt und blinkend rüber, wie die kommerziellen Pendants, aber oft finden sich Alternativen, die die Aufgaben mindestens genauso gut erledigen, manchmal besser, meistens aber einfach datenschutz- und verbraucherfreundlich sind.


Fußnote: Danaergeschenk

Ein Danaergeschenk ist eine Gabe, die sich für den Empfänger als unheilvoll und schädlich erweist. Der Begriff entstammt der griechischen Sage um den Trojanischen Krieg: Die Danaer, wie Homer die Griechen nannte, brachen die Belagerung Trojas zum Schein ab und hinterließen am Strand das hölzerne Trojanische Pferd. Wikipedia


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  1. Was für ein cooler Artikel. Ich bin da auch viel zu bequem und gutgläubig. Ich erinnere mich noch daran, dass auf der re:publica mal ein Sicherheitschef eines sehr großen internationalen Konzerns erzählt hat, dass sie in ihren AGBs denen man ja via Cookie zustimmt, gelle? Jedenfalls dadrin stand, dass man mit dem Akzeptieren das erstgeborene Kind an die Firma übergeben muss. Hat erst nach mehreren Monaten jemand bemerkt… Übrigens und nur weil ich es absolut spektakulär finde: Das Gemälde, das diesen Artikel illustriert stammt von Giovanni Domenico Tiepolo und hängt in der National Gallery in London. Öl auf Leinwand 39 x 67cm und wurde um 1760 gemalt. (kunsthistorikerinnerklugscheissermodus aus)

  2. Luise Wolf

    Ich bin gerade über die APP gestolpert und musste richtig dolle an diesen Artikel denken: https://stadt-land-datenfluss.de/
    Muss ich mir aber noch mal genauer anschauen… Die Sache mit der Bequemlichkeit 🙂

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