Wissend is the new sexy.

Wird das aufgezeichnet? Nein, denn Wissen lebt von und mit den Menschen

Neulich saß ich beim Frühstück mit einer Freundin, die sich in ihrer Organisation auch mit Fortbildungen beschäftigt – leider, so sagte sie, dürfe sie nur in kleinem Ausmaß selber lehren, sondern müsse aufgezeichnete Online-Fortbildungen unter die Leute bringen. Eine so undankbare Aufgabe! Ich jedenfalls habe im letzten Jahr 4 Online-Kurse erworben und nicht einen durchgearbeitet. Dazu kommen UNZÄHLIGE Aufzeichnungen von Online-Meetups, Workshops und Webinaren, bei denen ich live keine Zeit teilzunehmen hatte und der festen Überzeugung war, dass ich sie später anschauen würde. Später…abends statt Netflix vielleicht? Oder im Urlaub statt einem Buch zu lesen? In der Mittagspause, wo ich versuche vom Bildschirm wegzukommen? Ich habe es mir schon so oft vorgenommen, im BulletJournal getrackt, Klebezettel aufgehängt und Reminder im Kalender erstellt.

Es gibt vielleicht Menschen, die sich Aufzeichnungen angucken und erfolgreich Zeit schaffen für Online-Kurse. Ich zähle nicht dazu und ich wage jetzt einfach mal die steile These, dass ich nicht alleine damit bin.

Tatsächlich fragen uns viele, ob unsere Barcamps oder Meetups aufgezeichnet werden, und die Antwort ist immer: “Nein”. Wir wollen einfach unsere gemeinsam erlebte Zeit und Aufmerksamkeit genau im hier und jetzt, bei den Menschen lassen, die eben dabei sind und mitgestalten (okay – ich gestehe, dass ein Teil davon auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten wie diese eben begrenzt ist und nicht noch zusätzlich für Videomaterialnachbereitung eingesetzt wird – vor allem wenn sie eh keiner anschaut:)). 

Und das ist auch mein Stichwort: Die gemeinsam erlebte Zeit. Beim WissVibes Barcamp sagte Kristin Block: “Dokumentiertes Wissen ist tot – Wissen lebt von und mit den Menschen!” Das trifft den Kern der Sache, denn eine Aufzeichnung ist genauso tot wie eine Übergabemail oder das Dokument auf dem Server. Was wir bei den Barcamps und Meetups erleben, ist gelebtes Wissen, was durch Persönlichkeiten greifbar wird und von den anderen aufgenommen, gefiltert, verknüpft, neu interpretiert und auf die eigene Art und Weise verinnerlicht wird.

Und das bringt mich auch zurück zu meinen Online-Kursen: Ich habe nämlich einen Weg gefunden, wie ich sie doch mache: Ich treffe mich mit Gleichgesinnten und schaue den Kurs gemeinsam mit ihnen – am gleichen Tisch und vor einem Bildschirm oder im digitalen Raum. Und das klappt – weil wir drüber sprechen, Übungen wiederholen, das Gelernte einordnen und reflektieren können. Was denkt ihr: Wie könnte das im Unternehmen klappen, wenn der Raum nicht für echte Interaktion in Form von Workshops oder live Fortbildungen mit Austausch (digital, hybrid oder analog) gegeben ist? Dokumentiertes oder Totes, in Videos oder Dokumenten gefangenes Wissen kann wiederbelebt werden, indem man die echten Menschen wieder zusammenbringt. Oder fehlt die Zeit, die Struktur, Wille oder die Kultur dazu? Ich finde: Gemeinsam Wissen konsumieren und darüber austauschen ist wichtiger denn je, und wir müssen dafür Zeit schaffen, und damit die Wissenskultur! Ich bin gespannt, was ihr sagt, und wie ihr es in eurem Unternehmen vielleicht schon so umsetzt.

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  1. Luise Wolf

    Der Artikel trifft bei mir voll ins Schwarze.

    Ich habe letztes Jahr bei einer großen Online-Plattform während einer Rabatt-Aktion drei Kurse zum Erlernen von Kreativitätstechniken gekauft… Zwei der drei Kurse waren auf Spanisch, hatte ich mal in der Schule (lang ist´s her). Ich habe mir eingeredet, dass ich dann nicht nur coole Kreativitätstechniken lerne, sondern auch gleich Spanisch… Ich habe eine Aufgabe in einem Kurs angefangen, nicht mal beendet, und jetzt staubt der bezahlte Kurs (Rabatt hin oder her) irgendwo ein…

    Dann habe ich eine online Weiterbildung begonnen, mit ein bisschen sozialem Druck dahinter. Vielleicht hilft ja das…!? Drei Wochen Online-Präsenz-Lernen mit anderen Lernenden eingeplant… Und Eigentlich ein Thema, dass mich wirklich sehr interessiert. Der Online Campus auf dem der Kurs aufgesetzt war und die Inhalte, die dort eingepflegt wurden, haben mir nach zwei von zehn Wochen den Rest gegeben. Ich habe mich mit wirklich schlechter Laune durchgebissen… Kein schönes Lernen.
    Eigentlich bin ich sehr enthusiastisch, was die Möglichkeiten des digitalen Raums besonders fürs Lernen angeht… Doch die Erfahrungen haben mich echt kritisch gestimmt.

    Jetzt gerade habe ich einen Mooc entdeckt, einen massive open online curse, über die „Erwachsenenbildung im Online-Raum“ und ich bin überrascht, denn ich habe richtig Spaß! Die Inhalte sind toll aufbereitet, es gibt einen breiten Mix an Tools und Methoden. Und das obwohl es neben dem Forum (bisher) kaum Austausch unter den Lernenden gibt. Also kaum sozialer Druck, wie du es in deinem Artikel beschreibst. Und ich dachte, genau das brauche ich auch um Online gut selbst organisiert lernen zu können…

    Ein persönliches Interesse hatte ich an allen Themen und die Motivation mich damit auseinander zu setzen, war auch in allen Fällen da… Und nur der Mooc, das einzig kostenlose Angebot der drei Online-Plattformen, holt mich so richtig ab. Ich sinniere noch darüber, woran das liegen kann…

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